Wie läuft so eine Geburt eigentlich ab?

Wie immer bin ich natürlich keine Expertin und kann nur aus meiner eigenen 1x-Erfahrung berichten – da aber die meisten von uns auch nur ca. 1-3 Mal bei einer (zum Beispiel ihrer eigenen) Entbindung dabei sind, ist das doch schon eine gute Quote. Hebammen und Ärzt:innen sind hier natürlich von ausgenommen, da kann wohl niemand mithalten 😊

Allem vorweg kann ich jedem werdenden Elternteil oder Elternpaar wirklich empfehlen, einen Geburtsvorbereitungskurs zu machen. Ganz besonders, wenn man keine Hebamme für die Vor- und Nachsorge findet (so wie wir – das ist hier in Berlin leider nicht selbstverständlich), hilft dieser Kurs wirklich sehr, sich diese abstrakte Geburtsgeschichte besser vorstellen zu können. Gerade bei neuen Eltern kann der Kurs Ängste nehmen und, wenn der Partner mitkommt, ist es auch ein cooler Ausflug zu zweit.

Der Ablauf einer Geburt ist bei jeder Frau sehr unterschiedlich und fängt wohl damit an, für welchen Geburtsweg sie sich entscheidet: im Krankenhaus, im Geburtshaus oder vielleicht sogar zu Hause. Wir haben uns für das Krankenhaus entschieden. Ich persönlich glaube fest an die Macht der modernen Medizin und bin gerne auf alle Eventualitäten vorbereitet, außerdem war für mich von Anfang an klar, dass ich nicht direkt nach Hause geschickt werden möchte (somit scheidet ein Geburtshaus für mich aus) und, dass ich auf jeden Fall die Möglichkeit haben möchte, Schmerzmittel zu bekommen. Das muss aber jede Frau unbedingt für sich selbst entscheiden. Wir haben uns also für das Virchow Klinikum in Berlin Wedding entschieden – das ist gleich bei uns um die Ecke und sie haben eine hervorragende Neugeborenenstation.

Da ich keine Hebamme gefunden habe (mein Entbindungstermin lag auch mit dem 19.07. mitten in den Sommerferien), bin ich also ab dem errechneten Termin im 3-Tages-Rhythmus zu meiner Frauenärztin gedüst um alles abzuchecken und ein CTG zu machen. Da immer alles in Ordnung war bin ich in Ruhe wieder nach Hause und habe alle Tipps ausprobiert, die die Wehen fördern sollen. Ich wollte, dass der kleine Mann sich endlich raus traut. Das wollte er aber nicht und so hat es noch bis zum ET+5 gedauert, bis sich plötzlich etwas tat. Allerdings keine einzige Wehe, nicht mal Bauchschmerzen, sondern nur ganz leicht das Gefühl, dass der Schlüppi ein bisschen zu nass ist. Das war ungewöhnlich aber eigentlich auch kaum merkbar – also habe ich noch in Ruhe zu Ende gekocht, gegessen und meine Whatsapp-Krabbelgruppe gefragt, was die Mädels tun würden (also, ob wir vorsichtshalber ins Krankenhaus fahren sollen oder nicht – ich wollte auch nicht wieder nach Hause geschickt werden). Da wir uns einig waren, dass wir das vorsichtshalber untersuchen lassen, sollten sind wir dann noch ins Krankenhaus, haben unserer Hundesitterin für alle Fälle Bescheid gegeben und kamen dann in der Klinik schnell zur Untersuchung.

Ergebnis: „Frau Dorau, Sie gehen heute nicht mehr ohne Baby nach Hause.“ Bis dahin hatte ich immer noch keine Wehen, durch den Blasensprung musste ich aber dortbleiben, da ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Mein Mann musste dann bald nach Hause und ich habe mich schnell schlafen gelegt, damit ich noch mal ausruhen kann, bevor es losgeht.

Auch am nächsten Morgen gab es keine Anzeichen für Wehen, also haben die Ärzte mit mir entschieden, dass wir vorsichtig die Einleitung starten. Auch daraufhin wollten sich keine Wehen melden und, da es einen Kreißsaal zu wenig gab aber viele Entbindungen an dem Tag, fragte man mich dann, ob ich auch in die Charité Mitte verlegt werden könne – es dauere ja bei mir wohl noch eine Weile. Da mir das nicht so wichtig war habe ich zugestimmt, in der Hoffnung auf ein etwas kühleres Zimmer (es waren über 30 Grad). Spoiler: es gab auch dort kein kühles Zimmer.

Ein Krankentransport hat mich nach Mitte gebracht, mein Mann durfte nachkommen, es war noch vor Corona. Dort wurde dann weiter mit Medikamenten eine Einleitung versucht, bis ich um ca. 17 Uhr endlich etwas gespürt habe. Ich hatte noch eine sehr gute Freundin dabei, die meinen Mann ablösen sollte, falls er mal eine Pause braucht und sie hatte bereits ein Kind geboren. Dann ging es relativ schnell voran. Eingeleitete Wehen sind schneller stärker als Natürliche und so kam ich schon nach kurzer Zeit in den Kreißsaal.

Die Zeit, die danach kommt, wird relativ verschwommen in meinen Erinnerungen. Die Wehen wurden aber schnell sehr stark aber leider wollte sich der Muttermund nicht so richtig öffnen. Nachts bekam ich dann eine PDA, um die ich auch gebeten hatte, und dann wurde es sehr entspannt – mit der PDA hat man zwar weiter Wehen, merkt sie aber nicht. So richtig anstrengend wurde es dann erst am Morgen. Wir waren alle schon sehr lange wach und die Presswehen setzten frühs ein, die man auch mit PDA merkt. Um 11 Uhr war Joschi dann geboren und wir alle fix und fertig.

Es waren mehrere Hebammen dort und der Kinderarzt, der prüfte, ob alles in Ordnung ist. Es war alles gut bei Joschi aber ich selbst musste noch eine Nachuntersuchung durchmachen, weil wohl noch Plazentareste übrig waren. In der Zeit durfte mein Mann den kleinen Joschua auf der Brust halten.

Was ich schön fand war, dass Joschi mir sehr schnell auf die Brust gelegt wurde, nachdem er untersucht wurde. Ich wurde auch zu jeder Zeit gefragt bzw. meine Begleitpersonen (beispielsweise zur Zeit der PDA). Ich finde es sehr wichtig, dass man sich zu nichts überreden lässt, besonders, weil man unter der Geburt nicht so aufnahmefähig ist. Wenn es möglich ist kann aber die Begleitperson solche Dinge auch regeln – sie muss dafür natürlich Bescheid wissen.

Alles in Allem war es eine „normale“ Geburt würde ich sagen. Nicht mehr oder weniger anstrengend, als bei den meisten Frauen. Hinterher wurden wir wieder ins Virchow Wedding zurückverlegt, weil wir aus dem Bett gefallen sind und Joschi zur Vorsicht auf die Neugeborenenstation zur Überwachung gebracht werden sollte. Das war ehrlichweise traumatisch aber zum Glück gibt es wirklich tolle Hebammen in den Krankenhäusern, die einen vor Ort unterstützen.

 

Wie sind eure Erfahrungen?

 

Viele liebe Grüße

Julia von baeli

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